Philippinen-Lernreise: Bericht von unserem Pfarrer


Der Auferstandene als Quelle des Lebens

Ich bin gerade am Heimflug von den Philippinen. Diözesane Lernreise mit unserer Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel. 16 Personen, die aufgebrochen sind, um zu lernen. Von einem fremden Land, von einem anderen Volk, von einer Kirche mit vielen Aufbrüchen.
Wir haben Gegensätze erlebt: Arm und reich. Hohe Bildung oder gar kein Zugang dazu. Traumhaftschöne Landschaften, aber auch viel Natur, die ausgebeutet und zerstört wurde.
Gerade auch die philippinische Kirche erscheint in zweifacher, ganz unterschiedlicher Weise!

Volkskirche
Die Zeichen einer tiefverwurzelten Volksfrömmigkeit sind omnipräsent. Überall sind „katholische“ Statuen oder Sprüche. Autofahrer bekreuzigen sich beim an einer Kirche vorbeifahren.
Wenn die Menschen realisieren, dass in unserer Gruppe neun Priester sind, werden wir mit einer Verehrung begrüßt, die ich nur schwer aushalte. Unser Glück: Weihbischof Stefan Turnovszky ist auch mit, er bekommt noch mehr ab.
Neue Kirchen werden weiterhin im alten Stil errichtet: frontal in Längsform, mit starren Bänken. Wir sehen keine einzige moderne, kommunikativer gebaute Kirche. Überall steht im Altarraum (teilweise wie ein Thron) ein einzelner Vorstehersitz. Die Gottesdienste sind zwar von unglaublich vielen Menschen besucht, werden aber so traditionell und distanziert bzw. emotionsarm zelebriert, dass ich dafür keine so lange Reise unternommen hätte.
In den meisten Gegenden, wo wir hinkommen, sind praktisch alle katholisch, doch nur etwa 1% sind kirchlich engagiert.

Partizipative Kirche
Die Leute vom Bukal-Pastoralinstitut, unsere Partner vor Ort, arbeiten schon seit Jahren gemeinsam mit vielen anderen Menschen an einer anderen Form von Kirche. Es geht um Beteiligung, um Partizipation, dass viele (alle?) erleben, erfahren, sich einbringen, mittun, den Glauben leben.
In kleinen Gemeinden steht das Bibel teilen an zentraler Stelle, auch wir nehmen uns dafür viel Zeit. Im konkreten Beten, Lesen, Betrachten, teilen wird konkret erfahrbar, dass der lebendige Gott heute und hier da ist. Was hören wir als Botschaft für uns heute? Welches Wort spricht mich an, berührt mich?
Wir besuchen verschiedenste Pfarren, Gemeinden, Menschen, wo wir immer wieder erleben können: Die Begegnung mit dem Auferstandenen, gerade im Bibel teilen, verändert. Deutlich mehr tun mit, weil viele kleine basiskirchliche Gemeinden errichtet wurden. Das miteinander persönlich reden tut spürbar gut, die Atmosphäre ist an unterschiedlichsten Orten immer wieder sehr emotional und herzlich. Wirtschaftliche und Umweltschutz-Projekte sind entstanden (wir besuchen eine Bio-Farm und ein Seetang-Projekt), die Nachbarschaftshilfe ist deutlich intensiver als vorher. Viele lebendige Aufbrüche!

Wenn wir über Kirchen-Veränderung in Österreich sprechen, dreht sich vieles um innerkirchliche Fragen: Wie wollen wir Kirche? (Für uns!) Wie kann das Angebot (möglichst) erhalten bleiben? Was ist mit unserer Sonntagsmesse?
Auf den Philippinen werden wir mit einer ganz anderen Fragerichtung konfrontiert. Die Menschen in der Nachbarschaft werden besucht: Wie geht es euch? Wie verläuft euer Leben, wo sind Freuden und Sorgen? Und auf diese Statements hin wird versucht, Kirche entsprechend zu gestalten. Kirchen-Veränderung also als Antwort auf die Nöte der Menschen, die nicht aktiv an der Kirche teilhaben. Was müssen die „Insider“ anders machen, damit Kirche auch für andere wohltuend und hilfreich wird? Wohin muss sich Kirche verändern, damit Gott mehr Chancen hat, Menschen zu begegnen?
Könnten solche Fragen auch ein passender Weg für uns sein? Ich hoffe auf viele gute Gespräche!

Euer Pfarrer Werner